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Familienunternehmen, Scheitern und persönliche Grenzen: Wie ich meinen Weg fand

In dieser Folge von „Werr spricht“ nehme ich dich mit auf meine persönliche Reise, als ich ins Familienunternehmen einstieg – eine Geschichte voller Höhen, Tiefen und den wertvollsten Lektionen, die mich zu der Unternehmerin gemacht haben, die ich heute bin. Vom turbulenten Alltag in einer Werbeagentur bis hin zu einer Entscheidung, die mein Leben veränderte, erzähle ich von den Herausforderungen, Träumen und Scheitern, die meinen Weg geprägt haben.

Höre, wie ich inmitten von Krisen Verantwortung übernahm, welche Fehler ich gemacht habe und warum es manchmal entscheidend ist, loszulassen. Heute blicke ich zurück und teile, wie ich trotz allem meine eigene Agentur gegründet habe und wie mich diese Erfahrungen geformt haben. Diese Episode ist für alle, die sich in stürmischen Zeiten nach Klarheit und Inspiration sehnen.

Der Podcast kurz zusammengefasst:

Wenn die Firma zur eigenen Identität wird – und was das für die Nachfolge bedeutet

Kennen Sie das? Die Firma war schon immer Teil von Ihnen.

Viele, die in einem Familienunternehmen aufwachsen, kennen dieses Gefühl: Der Betrieb ist kein Arbeitsplatz, sondern Teil der eigenen Geschichte. Man wächst zwischen Werkstatt, Büro und Mitarbeitenden auf. Der Gedanke, das Unternehmen eines Tages zu übernehmen, fühlt sich nicht wie eine Entscheidung an, sondern wie eine Selbstverständlichkeit.

Genau das macht die Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen so besonders – und so anspruchsvoll. Denn wo die eigene Biografie und die Unternehmensgeschichte eng miteinander verwoben sind, lässt sich schwer trennen: Wer bin ich als Mensch? Und wer bin ich als Nachfolgerin oder Nachfolger?

Wenn die Krise kommt, steht mehr auf dem Spiel als die Bilanz

Nachfolgesituationen verlaufen selten geradlinig. Wirtschaftliche Rückschläge, Konflikte mit Banken oder Beratern, familieninterne Spannungen – all das kann in kurzer Zeit zusammenkommen. Für viele Nachfolger:innen wird eine solche Krise dann zu mehr als einem betrieblichen Problem: Sie erleben sie als persönliches Versagen, weil sich Selbstwert und Unternehmenserfolg über Jahre vermischt haben.

Diese Erfahrung ist keine Ausnahme. Fachliteratur zu Unternehmerfamilien beschreibt sie als typisches Muster: Wer sich stark mit dem eigenen Betrieb identifiziert, erlebt jeden Rückschlag der Firma als Rückschlag der eigenen Person. Genau hier beginnt oft ein Kreislauf aus Verantwortung übernehmen, einspringen, funktionieren – bis die eigenen Grenzen aus dem Blick geraten.

Verantwortung übernehmen ist wichtig. Sich selbst dabei zu verlieren, ist es nicht.

In Krisenphasen zeigt sich häufig ein bestimmtes Verhalten: Man macht weiter, auch ohne zu wissen, was als Nächstes richtig ist. Man springt ein, wo andere aufgeben. Man hält zusammen, was zusammenzuhalten ist. Das ist eine wertvolle Stärke – und gleichzeitig ein Risiko, wenn sie zur einzigen Strategie wird.

Wer sich ausschließlich über die Rettung des Unternehmens definiert, verliert oft den Zugang zur eigenen Richtung. Die Frage „Was will ich eigentlich?“ tritt in den Hintergrund. Übrig bleibt die Frage „Was muss jetzt getan werden?“ – so lange, bis Körper oder Psyche das Signal geben, das man selbst überhört hat.

Kern & Richtung: Die eigene Identität von der Unternehmensrolle trennen

Genau an diesem Punkt setzt Identitätsarbeit an – nicht als Krisenintervention, sondern als vorausschauende Klärung. Bei uns heißt dieser Ansatz Identity Process: ein strukturierter Weg, um Kern und Richtung eines Unternehmens und der Menschen dahinter sichtbar zu machen.

Für Nachfolger:innen in Familienunternehmen bedeutet das konkret:

  • Die eigene Rolle im Unternehmen von der eigenen Identität als Mensch unterscheiden.
  • Werte, Antrieb und Sinn klären – unabhängig davon, ob es dem Unternehmen gerade gut oder schlecht geht.
  • Regelmäßige Kontrollstopps einbauen, um Kurs und Belastung zu überprüfen, statt nur zu reagieren.
  • Entscheidungen – auch die Entscheidung zu gehen oder zu bleiben – aus Klarheit treffen, nicht aus Erschöpfung.

Diese Klarheit verändert, wie eine Nachfolge erlebt wird. Aus einem Kampf ums Überleben wird ein bewusster Weg mit eigenem Kompass.

Scheitern findet innen statt – nicht in der Bilanz

Ein zentraler Gedanke aus vielen Nachfolgegeschichten: Wirtschaftlicher Misserfolg und persönliches Scheitern sind zwei verschiedene Dinge. Eine Firma kann schwarze Zahlen schreiben und trotzdem in eine Krise geraten, die mit dem eigentlichen Geschäft wenig zu tun hat. Und eine Person kann eine Übernahme beenden, ohne als Mensch gescheitert zu sein.

Wer diese Trennung früh vornimmt, trifft souveränere Entscheidungen – für das Unternehmen und für sich selbst. Genau das ist der Ausgangspunkt jeder Identitätsarbeit, mit der wir als Boutique-Agentur inhabergeführte Unternehmen, KMU und EPUs begleiten: Klarheit über den eigenen Kern, bevor die nächste Weichenstellung ansteht.



Was sind die größten Herausforderungen bei der Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen?

Neben rechtlichen und steuerlichen Fragen sind es vor allem emotionale Faktoren: unterschiedliche Vorstellungen zwischen den Generationen, Rollenkonflikte innerhalb der Familie und die Vermischung von Unternehmens- und Familieninteressen. Wer diese Ebenen früh trennt, vermeidet spätere Konflikte.

Wie erkenne ich, ob ich mich zu stark mit meinem Unternehmen identifiziere?

Ein Hinweis ist, wenn geschäftliche Rückschläge sich wie persönliches Versagen anfühlen oder die Frage „Wer bin ich ohne die Firma?“ schwerfällt zu beantworten. Das ist ein guter Anlass, die eigene Identität unabhängig von der Unternehmensrolle zu betrachten.

Was bedeutet Identity Process für Nachfolger:innen konkret?

Der Identity Process macht Kern und Richtung sichtbar – sowohl für das Unternehmen als auch für die Menschen, die es führen. Für Nachfolger:innen bedeutet das: die eigene Rolle klären, bevor Entscheidungen unter Druck getroffen werden müssen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, die eigene Rolle im Familienunternehmen zu hinterfragen?

Am besten, bevor eine Krise dazu zwingt. Regelmäßige Kontrollstopps – etwa einmal im Jahr oder bei größeren Veränderungen im Unternehmen – helfen, Kurs und persönliche Belastung frühzeitig zu überprüfen.

Wie gelingt eine Nachfolge, ohne sich selbst dabei zu verlieren?

Indem Verantwortung übernehmen und Selbstfürsorge nicht als Gegensatz verstanden werden. Klare Werte, eine definierte Rolle und regelmäßige Reflexion sind der Unterschied zwischen Funktionieren und bewusstem Führen.

Der Podcast in Worten – das Transkript für alle Leser: