Zum Hauptinhalt springen

#20 Seine Werte zu leben, ist scheiße – lohnt sich dennoch!

Heute wird’s kontrovers – oder auch nicht? In dieser Folge von WERR spricht! geht es darum, warum es verdammt schwer ist, die eigenen Werte wirklich zu leben. Klingt paradox, oder? Immerhin rede ich ständig davon, dass Unternehmen ihre Werte leben müssen. Und jetzt eine ganze Folge darüber, warum das nicht so einfach ist.

Wir tauchen tief ein in das Thema Unternehmenswerte, emotionale Prägungen und den echten (oft unbequemen) Prozess, Werte in den eigenen Alltag und in die Unternehmensführung zu integrieren. Ich erzähle, warum viele Führungskräfte an diesem Punkt scheitern, was emotionale Überforderung damit zu tun hat und wie du herausfindest, ob deine Werte wirklich deine sind – oder nur ein Produkt früherer Mängel. Klingt spannend? Dann hör rein!

Der Podcast kurz zusammengefasst:

Ihre Unternehmenswerte hängen im Flur – aber im Alltag verschwinden sie?

Sie kennen das vielleicht: Die Unternehmenswerte stehen gut sichtbar auf der Website, vielleicht sogar gerahmt im Eingangsbereich. Und trotzdem verhalten sich Führungskräfte im stressigen Arbeitsalltag manchmal so, als hätte es dieses Leitbild nie gegeben. Das ist kein Zufall und schon gar keine böse Absicht. Es hat einen nachvollziehbaren Grund – und der liegt tiefer, als die meisten Unternehmensleitbilder es zugeben.

Werte definieren ist einfach. Werte leben ist die eigentliche Aufgabe.

Viele inhabergeführte Unternehmen und Familienunternehmen investieren viel Zeit in die Formulierung ihrer Werte. Das ist ein wichtiger erster Schritt. Doch die eigentliche Arbeit beginnt danach: im Alltag, in stressigen Momenten, in Situationen, in denen es unbequem wird. Genau dort zeigt sich, ob eine Unternehmensidentität wirklich trägt oder nur auf dem Papier existiert.

Identifikation statt Ansage

Werte funktionieren nur, wenn sich die Menschen im Unternehmen tatsächlich mit ihnen identifizieren können. Werden Werte von oben verordnet, ohne dass sie mit den persönlichen Überzeugungen der Mitarbeiter:innen resonieren, entsteht eine Lücke. Diese Lücke wird spätestens dann sichtbar, wenn es hektisch wird – und genau dann sollten Werte eigentlich tragen.

Gemeinsam lässt sich diese Lücke schließen: durch klare Kommunikation, durch echte Beteiligung bei der Wertefindung und durch Führungskräfte, die vorleben statt vorschreiben.

Der eigentliche Gegner: Emotionen im Arbeitsalltag

Der größte Stolperstein beim Leben von Unternehmenswerten sind nicht fehlende Überzeugungen, sondern Emotionen. Wer unter Druck steht, denkt anders, als wenn alles ruhig läuft. Eine überforderte Führungskraft, die glaubt, keine Schwäche zeigen zu dürfen, hat in diesem Moment keinen Zugang mehr zu Werten wie Wertschätzung oder Offenheit. Der Fokus verschiebt sich auf Selbstschutz – auf das Verteidigen der eigenen Position, nicht auf das Eingehen auf andere.

Das gilt für Führungskräfte genauso wie für Unternehmer:innen. Existenzsorgen, unerwartete Absagen oder finanzieller Druck können dazu führen, dass alte Ängste die Oberhand gewinnen – und damit auch das Verhalten, lange bevor eine bewusste Entscheidung getroffen wird. In solchen Momenten passt Wertekommunikation selten zum tatsächlichen Verhalten. Das ist menschlich, aber es lohnt sich, genau hinzuschauen, warum das passiert.

Mangelwerte erkennen, bevor sie zu Unternehmenswerten werden

Ein besonders unterschätzter Punkt: Nicht jeder Wert, der sich richtig anfühlt, ist tatsächlich ein tragfähiger Unternehmenswert. Manche Werte entstehen aus einem früheren Mangel heraus – etwa übertriebene Sicherheitsorientierung, wenn früher Unsicherheit erlebt wurde. Solche Mangelwerte fühlen sich dringend an, richten den Blick aber nach hinten statt nach vorn.

Bevor Unternehmenswerte festgelegt werden, lohnt sich deshalb ein ehrlicher Blick: Ist dieser Wert ein echter Kern der Unternehmensidentität – oder ein Versuch, eine alte Lücke zu schließen? Diese Unterscheidung braucht Zeit und manchmal externe Perspektive, zahlt sich aber langfristig aus.

Strukturen und Prozesse müssen die Werte tragen

Werte lassen sich nicht per Beschluss einführen. Sie brauchen Strukturen und Prozesse, die sie im Alltag unterstützen, statt ihnen im Weg zu stehen. Wenn ein Unternehmen Wertschätzung als Wert definiert, interne Abläufe aber Druck und Kontrolle belohnen, entsteht ein Widerspruch, den niemand auflösen kann – auch die engagierteste Führungskraft nicht.

Für Unternehmer:innen bedeutet das oft, bestehende Abläufe zu hinterfragen und anzupassen. Das ist Arbeit, die nicht von heute auf morgen erledigt ist. Aber sie ist die Voraussetzung dafür, dass aus formulierten Werten gelebte Unternehmensidentität wird.

Warum sich die Arbeit trotzdem lohnt

Werte zu leben ist anspruchsvoll – aber der Effekt ist messbar:

  • Mehr Zufriedenheit, weil das eigene Handeln mit den eigenen Überzeugungen übereinstimmt.
  • Mehr Vertrauen, weil Mitarbeiter:innen und Kund:innen ein Unternehmen als glaubwürdig und authentisch wahrnehmen.
  • Mehr Wirtschaftlichkeit, weil stimmige Prozesse effizientere Zusammenarbeit und ein einheitliches Kundenerlebnis ermöglichen.
  • Mehr Bindung, weil Mitarbeiter:innen lieber dort bleiben, wo ihre Werte Platz haben.

Mehr Klarheit, mehr Stimmigkeit, mehr Erfolg – das ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis konsequenter Wertearbeit.

Der Weg zu einer Unternehmensidentität, die trägt

Genau hier setzt der Identity Process an: Kern & Richtung herausarbeiten, Werte von echten Idealwerten statt Mangelwerten unterscheiden, und anschließend Strukturen, Kommunikation und Führung so gestalten, dass die Unternehmensidentität im Alltag spürbar wird – nicht nur auf der Website. Als Boutique-Agentur begleiten wir KMU, EPUs und inhabergeführte Unternehmen genau bei diesem Schritt: von der Definition zur echten, gelebten Wirkung.



Warum ist es so schwer, Unternehmenswerte im Alltag zu leben?

Weil Emotionen unter Stress oft stärker sind als bewusste Überzeugungen. In fordernden Situationen greifen Menschen auf Selbstschutz zurück, nicht automatisch auf ihre definierten Werte. Das lässt sich verändern – durch Bewusstsein, Reflexion und passende Strukturen im Unternehmen.

Was sind Mangelwerte und warum sind sie problematisch?

Mangelwerte entstehen aus früheren Erfahrungen von Knappheit oder Unsicherheit, zum Beispiel übermäßige Sicherheitsorientierung. Sie fühlen sich dringend an, sind aber oft rückwärtsgewandt und passen nicht zur eigentlichen Unternehmensidentität. Ein ehrlicher Blick auf die Herkunft eines Werts hilft, echte Idealwerte zu erkennen.

Wie können Führungskräfte Unternehmenswerte besser vorleben?

Führungskräfte brauchen Klarheit über die Werte, konkrete Handlungsanweisungen und Strukturen, die diese Werte unterstützen statt konterkarieren. Genauso wichtig: Sie brauchen selbst Raum für Entwicklung und Reflexion, um in stressigen Momenten handlungsfähig zu bleiben.

Was passiert, wenn Unternehmenswerte nur auf dem Papier stehen?

Mitarbeiter:innen und Kund:innen bemerken schnell, wenn kommunizierte Werte nicht zum tatsächlichen Verhalten passen. Das schadet Vertrauen und Glaubwürdigkeit – zwei zentrale Faktoren für Mitarbeiterbindung und Kundenbeziehungen.

Wie lange dauert es, Unternehmenswerte wirklich zu verankern?

Das ist ein fortlaufender Prozess, kein einmaliges Projekt. Es erfordert konstante Reflexion, die Anpassung interner Strukturen und die Bereitschaft, auch Rückschläge als Teil des Weges zu akzeptieren.

Der Podcast in Worten – das Transkript für alle Leser: